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Exklusiv-Interview: Andreas Birkeneder besuchte Clint Eastwood auf seiner Mission Ranch in Carmel, Kalifornien
Eine Legende wird 80! Doch Interviews mit Clint Eastwood sind, vor allem
im Bezug
auf sein Privatleben, eher selten. Da uns jedoch eine langjährige
Freundschaft verbindet,
machte er eine Ausnahme und lud uns auf seine Mission Ranch in Carmel
ein.
Andreas Birkeneder: Am 31. Mai feiern Sie in Carmel ihren 80. Geburtstag, 16 Tage später finden nach zehn Jahren in Pebble Beach wieder die US Open statt. Was wird in Ihrer langjährigen Heimat wohl das größere Ereignis werden?
Clint Eastwood (lacht): Na ja, ich bin zuerst dran. Aber im Ernst: natürlich die US Open. Es ist ein großartiges Turnier mit tollen Spielern, über 300.000 Zuschauern und weltweiter Berichterstattung. Mein Geburtstag bedeutet mir nicht so viel, ich habe schon lange keinen mehr gefeiert. Man will ja auch nicht immer daran erinnert werden, wie alt man tatsächlich ist.
AB: Sie drehen jedes Jahr einen neuen Film, Sie sind weltweit unterwegs. Sie haben eine junge Familie (Anm. d. Red.: Ehefrau Dina, die Töchter Morgan, 13, und Francesca, 16). Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?
CE: Dina ist eine wunderbare Frau, sie kümmert sich großartig um die Kinder und unterstützt mich wo sie kann. Außerdem hat sie selbst noch einen Beruf, sie arbeitete sehr lange beim Fernsehen und managt heute unter anderem die großartige Band Overtone. Ich absolviere jeden Tag ein 30-minütiges Work-out und arbeite viel. Das hält jung, der Kopf kann so nicht „rosten". Arbeit ist meine Leidenschaft und mein Lebenselixier.
AB: Sie haben mit Dina die gemeinsame Tochter Morgan, dann lebt bei Ihnen auch Tochter Francesca aus Ihrer Ehe mit Francis Fischer, zudem ist ihr 23-jähriger Sohn Scott oft bei Ihnen in Carmel oder dreht mit Ihnen Filme. Sind sie ein guter Vater?
CE (nachdenklich): Nun, ich denke, das Gute am älter werden ist die Erfahrung. Meine Karriere stand früher oft im Vordergrund. Heute bin ich auf jeden Fall ein Vater, den sich meine Kinder schon früher gewünscht haben. Die Familie steht an erster Stelle. Morgan profitiert am meis-ten davon. Ich kann bei Ihr einfach nicht „nein" sagen. Meine ersten Kinder mussten deutlich mehr auf mich verzichten, da lastet noch ein wenig Schuld auf mir. Ich muss da einiges nachholen, aber in den letzten Jahren habe ich auch sehr viel Kontakt mit all meinen anderen Kindern gehabt.
AB: Spielen Sie oft Golf?
CE: So oft es geht. Ich habe einen eigenen Golfplatz, den Tehama Golf Club, und versuche laufend, mein Handicap 11 zu verbessern, schaffe es aber leider nicht mehr.
AB: Sie haben alles in Ihrem Leben erreicht, privat und beruflich, unzählige Auszeichnungen bekommen, darunter vier Oscars, allerdings nie einen als „Bester Schauspieler". Was würde Ihnen dieser Oscar bedeuten?
CE: Ich habe niemals auf Oscars geachtet. Natürlich ist es eine tolle Auszeichnung, aber ich jage dem Oscar nicht hinterher. Natürlich ist es sehr schön, den Oscar zu bekommen, aber nicht der Grund, um Filme zu machen.
AB: Ihr Sohn Scott ist auch Schauspieler und spielte bereits in einigen Filmen wie „Gran Torino" kleinere Rollen. Fördern Sie ihn?
CE: Scott spielt nicht nur in meinen Filmen. Er hat gerade einen anderen Film in Los Angeles zu Ende gedreht. Aber ich unterstütze ihn natürlich, denn er ist wirklich sehr talentiert.
AB: Wann waren Sie eigentlich das letzte Mal in Deutschland?
CE: Wow, das war vor ein paar Jahren zur Berlinale in Berlin. Ich war also schon eine Weile nicht mehr da und vermisse es auch ein wenig. Auch meine Frau liebt Deutschland.
AB: Sie haben mit so vielen großen Schauspielern zusammengearbeitet. Eine schwierige Frage, aber wer war für Sie der oder die beste?
CE (überlegt lange): Ich hatte wirklich das große Glück, immer mit tollen Schauspielern arbeiten zu dürfen. Aber zu meinen Favoriten zählen zweifellos Angelina Jolie, Hillary Swan, Sean Penn, Tim Robbins, Morgan Freemann und Matt Damon. Jeder von ihnen ist großartig.
AB: Was halten Sie von Christoph Waltz? Haben Sie den neuen Film von Quentin Tarrantino „Inglourious Basterds" schon gesehen?
CE: Er ist ein toller Schauspieler. Leider habe ich den Film bisher nicht sehen können, werde es aber auf jeden Fall nachholen.
AB: Wie stellt man sich das vor? Der große Clint Eastwood geht in Carmel einfach ins Kino und schaut sich einen Film an?
CE (lacht): Andreas, ich gehe in Carmel ganz normal ins Kino, ohne dass etwas Großartiges dabei passieren würde.
AB: Schauen Sie denn auch Ihre eigenen Filme an?
CE: Natürlich. Wenn der Film fertig ist, bekomme ich eine Kopie und sehe mir alles noch einmal in Ruhe zu Hause an, bevor der Film dem Publikum gezeigt wird.
AB: Sind Sie dann zufrieden, oder finden als Perfektionist immer noch Fehler und die eine oder andere Szene, die sie anders machen würden?
CE: Nein, überhaupt nicht. Ich bin nicht der Typ, der zurückschaut. Wenn man sich auf etwas festlegt, muss man damit leben können! Das war in meinem Leben bei all meinen Entscheidungen so, ich würde nichts rückgängig machen und bereue nichts.
AB: Mr. Eastwood, vielen Dank für das Interview. Ich hoffe, wir sehen in den kommenden Jahren noch viele Filme von und mit Ihnen.
CE: Andreas, das Vergnügen war auf meiner Seite. Und du kannst darauf wetten, dass noch ein paar Filme folgen werden.
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