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"Ein Wechsel auf die PGA Tour kommt nicht in Frage"

Abu Dhabi

Er sieht aus wie Seve Ballesteros und wirbt für Schokolade. Matteo Manassero ist 2010 in die Weltelite durchgestartet, er verewigte sich als jüngster Sieger eines European Tour-Events (Castello Masters). 2011 wurde es ruhiger um den netten Italiener...

GOLFaktuell traf ihn in Abu Dhabi

GOLFaktuell: Sie sind der jüngste Turniersieger auf der European Tour. Was bedeutet Ihnen dieser Rekord?
Matteo Manassero: Naja, das hört sich vielleicht großspurig an: Aber ich denke, dass das ein großartiger Erfolg ist. Ich bin wirklich stolz darauf, diesen Rekord zu halten. Die ganze Zeit, seitdem ich Profi geworden bin, war wirklich fantastisch. Ich hab‘ als 18-Jähriger schon einiges erreicht.
GOLFaktuell: Was hat sich in den zwei Jahren für Sie verändert?
Matteo Manassero: Einiges. Vor allem habe ich viele, viele Erfahrungen gesammelt. Ich habe rund um den Sport viele interessante Menschen kennen gelernt. Wichtig ist für mich, dass sich mein Spiel weiterentwickelt hat. Ich sehe fast jeden Tag Verbesserungen, auch wenn es manchmal nicht einfach ist, gute Scores zu erzielen. Ich arbeite an meinen Schwächen und die bekomme ich immer besser in den Griff. Ich will diesen Sport ja sehr lange ausüben, da muss ich in allen Bereichen fit sein – körperlich und spielerisch.
GOLFaktuell: Wenn jemand in Ihrem jungen Alter schon Turniere gewinnt, dann kommt schnell der Vergleich: Da ist ein neuer Tiger Woods. Wie gehen Sie damit um?
Matteo Manassero: Es ist ein großartiges Gefühl, all diese Dinge zu hören. Aber ich lege nicht sehr viel Wert darauf. Denn im Endeffekt bin ich einfach ich selbst. Ich muss auf dem Golfplatz stehen und schauen, dass ich für mich das Beste raushole.
GOLFaktuell: In letzter Zeit ist es ruhiger um Sie geworden. Was ist los? Spüren Sie den Druck?
Matteo Manassero: Ich denke, da ist viel zusammengekommen. Ich hatte sicher auch selbst zu hohe Erwartungen, nachdem alles so schnell gegangen war. Ich habe schließlich Dinge geschafft, die ich mir niemals vorstellen konnte. Es ist schwierig, dann einfach so weiterzumachen, weiter auf diesem Level zu spielen. Es war nicht leicht, das zu verstehen. Es ging halt alles so schnell. Ich fühle, dass ich jetzt wieder auf dem richtigen Weg bin. Ich komme raus aus diesem Tief.
GOLFaktuell: Haben Sie deshalb auch den Caddy gewechselt?
Matteo Manassero: Nein, nicht nur. Aber ich habe gespürt, dass ich etwas ändern muss. Das tut man einfach in solchen Situationen, damit es wieder vorwärts geht. Bisher habe ich es nicht bereut. Ich komme mit Dave McNeilly sehr gut klar, er ist gut für mich.
GOL Faktuell: Im Vergleich zu vielen anderen Jungen sind Sie kein Longhitter. Allgemein wird gesagt, dass man ohne eine gewisse Grundlänge keine Chance hat, auf den großen Touren zu gewinnen. Wie sehen Sie das?
Matteo Manassero: Ich halte davon gar nichts. Wir spielen so viele unterschiedliche Plätze übers Jahr, jeder stellt andere Anforderungen. Manch ein Platz liegt einem besser, ein anderer nicht. Du musst einfach dein Spiel aufziehen, und wenn dir das gelingt, dann ist was drin. Es geht doch im Golf darum, seine Stärken – jeder hat andere – richtig auszuspielen. Es reicht nicht allein, einen langen Ball schlagen zu können. Das wäre zu einfach.
GOLFaktuell: 2012 ist Ryder-Cup-Jahr – ist das ein Thema für Sie?
Matteo Manassero: Eigentlich nicht. Da bin ich ganz ehrlich. Der Ryder Cup ist derzeit noch ein Traum. Ich erwarte gar nicht, dass ich mich heuer dafür qualifiziere. Der Kampf um die Plätze ist so schwer wie nie zuvor. Du musst auf jeden Fall ein großes Turnier gewinnen und dann sicher mindestens fünfmal in den Top-Ten landen, damit du hundertprozentig dabei bist. Das ist schon hart. GOLFaktuell: Was ist eigentlich mit dem italienischen Golf los? Sieben Profis auf der European Tour – das ist unglaublich. Wie schafft das ein so kleines Land mit nur 100.000 Golfern?
Matteo Manassero: Es ist wirklich großartig. Wir wissen selbst nicht so ganz, warum wir so stark sind. Da war sicher auch einiges an Glück dabei, dass es so eine Entwicklung gegeben hat. Aber jetzt strotzen alle nur so vor Selbstvertrauen. Großen Anteil daran haben die Molinaris. Sie haben uns gezeigt, wie es geht, und uns Mut gemacht. Nun sind wir zu siebt. Das zeigt, dass die beiden ihren Job gut gemacht haben. Natürlich wird auch im Hintergrund gut gearbeitet. Das System in Italien wird immer besser. Mein Coach ist zum Beispiel auch für das Nationalteam verantwortlich. Er hat im Jugendbereich schon einiges bewegt. Es wird vieles besser, aber eine Garantie gibt es nie, dass du sieben Profis auf der Tour hast. Für den Nachwuchs ist genau das aber sicher ein großer Ansporn.
GOLFaktuell: Sie würden doch sicher gerne auch mal im Weltcup für Ihr Land spielen. Wie bekommen Sie denn die Molinaris da raus?
Matteo Manassero: Gute Frage. Ich weiß es nicht. Sie sind halt einfach gut. Aber es läuft ja bei uns allen nicht schlecht. Daher wird auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 sehr interessant und hart umkämpft. Aber dieser Konkurrenzkampf ist doch auch nicht schlecht.
GOLFaktuell: Ist die US-Tour für Sie interessant?
Matteo Manassero: Nein, darüber denke ich derzeit wirklich nicht nach. Natürlich will ich einige große Turniere dort spielen. Ich fühle mich in Europa sehr wohl und will hier noch einige Zeit spielen. Was die Zukunft bringt, weiß man natürlich nicht, in den nächsten Jahren kommt ein Wechsel für mich auf die PGA Tour aber nicht in Frage. Schließlich wächst auch die European Tour immer weiter, die Turniere werden größer, die Teilnehmerfelder immer besser, weil auch die Spieler weltweit das erkennen.

Bilder zum Artikel: Ein Klick auf die Bilder startet die DiashowSympathischer Jungstar: Matteo ManasseroM.Manassero bei der Formel 1Christian Fellner traf Matteo Manassero in Abu Dhabi

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